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Entstehungsgeschichte des Tango Argentino

Der Tango ist eine Daseinsform.
(Horacio Ferrer)
 
Man muss die Stille tanzen,
und die Violinen,
auch wenn keine da sind.
(Gerardo Portalea)
 
 
Ich beschreibe im Folgenden kurz zusammengefasst die Entstehungsgeschichte des Tango Argentino, basierend auf dem Buch Tango Dimensionen der ehemaligen Partnerin meines ehemaligen Tangopartners Ricardo el Holandes Nicole Nau Nau-Klapwijk.
Der Vorläufer des Tangos war die Candombe, getanzt von schwarzen Sklaven afrikanischer Herkunft in Montevideo, Uruguay. Es war ein maskuliner, sehr rhythmischer Tanz in Auflehnung gegen die herrschende Welt der Weißen. Dieser Tanz war für sie ein Symbol der Freiheit.
 
Im 19. Jahrhundert gab es in Argentinien eine große Landflucht. Heimat-, arbeits- und mittellose Gauchos, entlassene Soldaten, und befreite Sklaven waren gezwungen in die Hauptstadt Buenos Aires abzuwandern.
 
Dazu kam um 1900 eine große und stetig steigende Anzahl von Immigranten aus Europa. Um 1900 zählte die Stadt Buenos Aires 700 000 Einwohner. Innerhalb der nächsten 10 Jahre kamen 850 000 Immigranten in die Stadt und 1920 zählte die Stadt 3 Millionen Einwohner.
 
Buenos Aires war zu einer explodierenden und viel zu schnell wachsenden Stadt geworden. Es war ein Schmelztiegel der unterschiedlichsten Kulturen, die auf engstem Raum in Armut lebten. Die Menschen hausten dicht gedrängt in provisorisch errichteten Mietskasernen, waren konfrontiert mit hoher Arbeitslosigkeit, großer Armut, fremden Kulturen, Einsamkeit und mit Sprachlosigkeit und Verständnislosigkeit anhand so vieler Sprachen, die man nicht verstand. Um sich zu verständigen und um zu überleben mussten die Menschen lernen zu improvisieren.
 
In den Lokalen dieser Vororte, die eine Mischung aus Kneipe, Gaststätte, Billiardsalon und Bordell waren, entstand eine neue Kultur. Hier teilte man als Fremder in der Fremde mit den anderen seine Einsamkeit und seine Nöte, seine Langeweile und seine Sehnsüchte. Es war eine Männerwelt, in der es einen sehr großen Frauenmangel gab. Was sie verband war die große Sehnsucht, eine Frau im Arm zu halten, um darüber die eigene Einsamkeit zu vergessen.
 
Zu dieser Zeit ungefähr erreichte die von afrikanischen Sklaven in Montevideo getanzte Candombe Buenos Aires. In dem bereits beschriebenen Milieu und der daraus entstehenden Unterwelt von Buenos Aires entwickelte sich dieser Tanz mit den Einflüssen aus europäischen Tänzen und argentinischer Folklore in den Bordellen der Stadt langsam zum Tango.
In diesem Tanz wird die Frau verehrt und begehrt.
 
Sie ist für die Männer kostbare Mangelware, weshalb sie miteinander und nicht mit einer Frau üben. Vor ihr möchte man glänzen und sie beeindrucken, um sie so lange wie möglich im Arm halten zu können.
 
Die Schritte und Figuren sind im Vergleich zu heute recht einfach. Virtuosität wird mit der Beinarbeit ausgedrückt. Das Herz des Tangos ist damals wie heute die Umarmung von Mann und Frau - als Basis und verbindliche Größe in der großen Improvisation Tango.
 
In der Poesie der Tangomusik geht es vor allem um die Sehnsucht nach dem anderen Geschlecht, die Leidenschaft, den Schmerz, das Glück und die Dramatik der Liebe, um Kampf und Zärtlichkeit, um Abschied und Vergessen, die Trauer um Vergangenes und die Hoffnung.
Quelle.:
Nau-Klapwijk . "Tango-Dimensionen", 2001