Die Bedeutung kognitiver Fähigkeiten im Tango - was Tango mit Meditation zu tun hat

Tango ist für den Betrachter zuerst einmal  eine bestimmte Art der äußeren Bewegung zu Musik.  Zugleich ist Tango - gut getanzt -  eine der Meditation vergleichbare innere Tätigkeit der komplexen Wahrnehmungs-Steuerung.

 

Das ist zwar jeder Tanz, aber Tango Argentino als Paartanz mit seiner zutiefst improvisatorischen Natur, ist hier noch einmal wesentlich komplexer.

 

Hier sind zwei Personen involviert,  zwei Körper und Charaktere, die sich in der verbindlichen Nähe der Umarmung bewegen und aufeinander angewiesen sind.  

      

Um aus verschiedenen Grundelementenn von Moment zu Moment ihr eigenes Einmaliges zu schaffen, müssen sie ihre Wahrnehmungssysteme und ihre Körperbewegungen fein abgestimmt koordinieren. Hier liegt hohes Konflikt-Potential, aber hier winkt auch die Erfüllung,  Samadhi, der "7. Himmel" der Tangotänzer, wenn es gelingt. 

Nur was ich wahrnehme kann ich gestalten

Dafür muss ich erstmal alles, was relevant ist, in meinen Fokus bringen können. Das klingt einfach und selbstverständlich, ist es aber meist nicht. Alleine den eigenen Körper von innen differenziert zu erspüren um verschiedene Körperbereiche zu aktivieren und miteinander in Kontakt zu bringen ist für viele eine Herausforderung.

 

Nicht, weil man es theoretisch nicht könnte, sondern weil kein Bewusstsein dafür da ist. Wir sind nicht darin geübt, unsere Wahrnehmung bewusst zu lenken und das als wichtig zu erachten. Und unser unruhiger Geist ist meist leicht abzulenken. Er springt hier hin und dorthin, und oft bemerken wir das nicht, weil wir so sehr daran gewöhnt sind.

 

Die Fähigkeit, durch Aufmerksamkeit bestimmte und wechselnde Bereiche bewusst "mit Energie zu füllen“, und die Erfahrung der Auswirkung davon, muss oft erst entdeckt und gefördert werden.

 

Dadurch erschafft man innerlich einen Pool aus "Wahrnehmungsobjekten", die dann in meinem weiten Bewusstsein vorhanden sind und jederzeit in den Fokus genommen werden können. Je stärker ich also diese Objekte in meiner Wahrnehmung lebendig werden lassen, und je müheloser ich innerlich den Fokus wechseln kann, ohne alles andere "zu verlieren", umso größer  wird mein tänzerischer Ausdruck, meine Verbundenheit mit meinem Partner und meine Freiheit in der Gestaltung.

 

Diese Gewahrsamkeit, das bewusste Spüren und Wahrnehmen sowie die sinnvolle Steuerung dessen, ist nicht so selbstverständlich, wie man annehmen könnte. 

 

Aus Erfahrung weiß ich, das die Tanzenden oft gar nicht auf die Idee kommen, das hier die Lösung für viele Schwierigkeiten liegen könnte. Sie wollen ganz viel konkret richtig "machen" und kompensieren oft in Überaktivität. 

Der Schlüssel ist aber oft die bewusste Wahrnehmung von Körperbereichen, Haltungen, Muskeltonus und Bewegungen, die zum Teil völlig "im Dunkeln" liegen.

 

Da Energie der Wahrnehmung folgt kann man so ohne etwas Äußeres zu verändern auf alles Einfluss nehmen. Im Umkehrschlusss bedeutet das aber auch, das die Bereiche, die man nicht wahrnimmt, die man lieber vermeidet, oder die man für unwichtig hält, auch nicht mit Energie, Lebendigkeit, Sinnhaftigkeit und Ausdruck gefüllt sind. Und wo keine Wahrnehmung und keine Energie vorhanden sind, ist aktive Veränderung und Gestaltung nicht möglich. 

 

Deshalb ist es interessant herauszufinden:

  • was nehme ich wahr?
  • Innerlich und äußerlich?
  • Worauf könnte ich meine Aufmerksamkeit sinnvoller Weise noch lenken?
  • Was bewirkt das?
  • Was ist im Vordergrund, was im Hintergrund?
  • Wie steure ich das? 
  • Kann ich den Fokus bewusst wechseln? (Ich meine nicht das hin und her springen des unruhigen Geistes) 
  • Was erreiche ich damit und was fehlt vielleicht noch?
  • Was möchte ich und was kann ich alles dafür tun? 

Da hier meist vieles unklar oder unentdeckt ist lässt sich viel in Bewegung bringen. Das sind meist erstaunliche und kreative AHA Erlebnisse!

Weites Gewahrsamkeit und fokussierte Aufmerksamkeit im Tango

 

"Mindfulness" (im deutschen Achtsamkeit) ist nach der Definition des heraussragenden Werkes von John Yates (Handbuch Meditation) nichts anderes als ein bewusst optimiertes Verhältnis von peripherer Gewahrsamkeit und fokussierter Aufmerksamkeit. Mindfulness bedeutet also  ein Ausbalancieren von zwei Arten des wahrnehmenden Bewusstseins.

 

Was bedeutet das genau?

 

Mindfulness (nach Yates) existiert dann, wenn drei Fähigkeiten zusammenwirken:

  1. der Modus der peripheren Gewahrsamkeit  (sowohl nach innen wie nach außen)
  2. der Modus der fokussierten Aufmerksamkeit (sowohl nach innen wie nach außen)
  3. der Modus des  "Meta-Bewusstseins" - also dass ich mir (1) und (2) bewusst bin und es steuere, je nach Situation. 

1. Peripheres Gewahrsam

 

Die periphere Gewahrsamkeit - z.B. unserer Umwelt, des eigenen Körpers, des inneren Erlebens-  ist der Hintergrund an relevanten Wahrnehmungs-Objekten für unser Handeln. 

 

Beim Autofahren beinhaltet das das Schalten von einem Gang zum nächsten, Gas geben, Geschwindigkeit halten, Straßenschilder beachten, Fußgänger, die Straße, andere Fahrzeuge, die Musik, die ich nebenbei höre. 

 

2. Fokussierte Aufmerksamkeit 

 

In meiner fokussierten Aufmerksamkeit ist vielleicht das Gespräch, das ich währenddessen mit meinem Mitfahrer führe.  

 

Es rutscht aber (hoffentlich!) das Auto vor mir in meine fokussierte Aufmerksamkeit , wenn es unerwartet stark bremst. Oder mein Fuss, den ich plötzlich intensiv auf die Bremse drücke, weil aus der peripheren Wahrnehmung zu spät in meine fokussierte Aufmerksamkeit gelangt, das ich in der 30er Zone 60 km/h fahre.

 

Die fokussierte Aufmerksamkeit holt also spezifische Objekte aus dem Hintergrund in den Vordergrund, so dass sie dem Bewusstsein für gesteuerte (und nicht automatische) Verarbeitung und damit für bewusste Handlungen zur Verfügung stehen.

 

3. Meta-Bewusstsein

 

Mindfulness (Achtsamkeit) entsteht dann, wenn ich mir meiner eigenen inneren Wahrnehmungs-Mechanismen und -Objekte bewusst bin. 

Wahrnehmungsfähigkeit nun nochmal im Kontext Tango

Auch im Tango kann alles, mein Fuß, der Raum, die aktuelle Bewegung, andere Paare, die Umarmung, Rhythmus, Melodie, Tanzpartner, etc... entweder in meinem peripheren Gewahrsam oder in meiner fokussierten Aufmerksamkeit sein.

In jeder Situation sind beide Komponenten in unterschiedlichem Ausmaß "dabei", und auf unterschiedliche Wahrnehmungsobjekte gerichtet. 

 

Im Tango ist es nicht nur wichtig, mich in meinem Körper detailliert spüren zu können, sondern auch die Verbindung zum Boden und zu meinem Partner in den verschiedenen Aspekten, das Zusammenspiel unserer Achsen, die Nuancen der Musik, wann genau und wie ich im Rhythmus den Fuß aufsetze, den Raum und Raumrichtungen, meine Bewegungen in verschiedenen Körperbereichen, "Figuren" bzw die Choreografie des Momentes etc. Bei allem ist elementar, in mir selbst zentriert zu bleiben und meine periphere Gewahrsamkeit mit meiner fokussierten Aufmerksamkeit optimal nutzen zu können.

 

Die Kunst des weiten Bewusstseins, in dem die Wahrnehmung vieles gleichzeitig beinhaltet, während die Aufmerksamkeit auf etwas bestimmtes gerichtet ist, ist also sehr relevant. Die Fähigkeit, vieles im Gewahrsein zu haben und den Fokus je nach Wahl und Notwendigkeit zu wechseln.

 

Klingt normal und selbstverständlich? 

Ist es meist nicht. 


Meine praktische Erfahrung aus jahrelanger intensiver Lehr- und Coaching Tätigkeit im Tango zeigt, dass jeder Tänzer spezifische Wahrnehmungsgewohnheiten hat, die auf weniges beschränkt sind. Diese sind für Führende und Folgende oft unterschiedlich. 


Das Ausweiten des möglichen Wahrnehmungsspielraums und der Ausgleich der oft Rollenspezifisch “ausgesuchten“  Wahrnehmungsobjekte von Mann und Frau hat großen Einfluss auf gewünschte Veränderungen und Wachstumschancen im Tanz. 


So wie in der sitzenden Meditation zunächst meist der jeweilige Atemzug das "Meditationsobjekt" ist, kann es beim Tango der Rhythmus, das Aufsetzen des Fusses, Aspekte der Umarmung und vieles andere sein.


In der fortgeschrittenen Meditation und im fortgeschritten Tänzer wird schließlich mit genügend Übung der "scope", der Bereich der Aufmerksamkeit so weit, dass er alles gleichzeitig umfassen kann.

 

Und wie bei der Meditation, führt das im Tango hin zu tiefen "flow states",

...dem 7.Himmel des Tango, für den wir all die Anstrengung unternehmen, Frustrationen überwinden und auf Milongas gehen und für die es wirklich lohnt!

(Mehr zu flowstates weiter unten.)

 

In der Paarbeziehung  kann sich dies positiv widerspiegeln: es fördert eine umfassendere Wahrnehmung, grössere Präsenz und stabilere Verbindung.

Beispiel im Tango aus Sicht des Führenden

Ich kann mir der Musik bewusst sein. Ich höre vielleicht auf die Melodie, die vielleicht gerade von der Geige  gespielt. Dann bemerke ich, dass die Gestalt der Musik etwas "in mir berührt", und ich fokussiere innerlich auf "den großen Bogen" und empfinde mich wie in einer Welle, und tanze diese. 

 

In diesem Moment kann es passieren, dass ich den Rhyythmus verloren und meine Partnerin völlig "vergessen" habe. Sie ist weder in meiner fokussierten Aufmerksamkeit, noch genügend repräsentiert in meinem peripheren Gewahrsein. Ich reagiere nur noch auf die von der Melodie hervorgerufenen inneren Impulse und merke gar nicht, dass ich meine Partnerin, die sich verzweifelt bemüht den Rhythmus und die Achse zu behalten, auf Autopilot gestellt und sich selbst überlassen habe.

 

So gut ich mich selber vielleicht gerade fühle: die Verbindung ist abgebrochen, und das wird früher oder später Schwierigkeiten bereiten: die Partnerin wird es merken; ich werde unbewusst ungeduldig, dass sie mich nicht unterstützt oder mitzieht; mein individueller "Flow" ist unterbrochen, ein wirklich gemeinsamer entsteht gar nicht erst.

 

Es ist also wichtig, seine Gewahrsamkeit zu steuern, um dem "Vergessen" vorzubeugen, und alles Essentielle im Überblick zu behalten. Dann können derartige innere inspirierte Höhenflüge des einen zu einem gemeinsamen Flow mit grosser Ausdruckskraft des ganzen Paares werden.

 

Das Ganze ist den mentalen Techniken der Meditation sehr verwandt. In der Meditation erwerben wir ein hohes konstantes  "Meta-Bewusstsein" dessen, was gerade in unserem Bewusstsein ist, und wie es dort repräsentiert ist. 

 

Angewandt auf Tango: 

  • allgemeine periphere Wahrnehmung, die vieles gleichzeitig beinhaltet wie den aufsetztenden Fuß, die Raumrichtung, die Achse des Partners, das emotionale innere Erleben, der Rhythmus, die Melodielinie und vieles mehr.
  • gerichtete Aufmerksamkeit, die je nach Erfordernis auf Unterschiedliches aus dem großen Wahrnehmungspool fokussiert. Je nach Übung können das mehr als

Beides ist erforderlich, in optimiertem und stets der Situation angemessenem Verhältnis, so dass man sich weder im Äußeren verliert, noch sich ins Innere zurückzieht. Und das schafft die Basis für das Erleben von Flow aus dem Stillpoint.

Präsenz

 

Aus meiner Erfahrung ist das bewusste Üben dieser Wahrnehmungsfähigkeiten für die Tänzer also fundamental.  Es mag hier zunächst etwas abstrakt klingen - bis man die konkrete Erfahrung dazu macht...!

Es hat grossen Einfluss auf alle Aspekte dieses vielschichtigen Tanzes, und besonders auf das Selbst- und Paarerleben! (Nicht umsonst nenne ich es Coaching.)

Und es erleichtert so vieles! ....Es ist ein Booster für Tanz- und Beziehungsqualität und die Beziehung zu sich selbst.

 

Mit der Ausprägung dieser Fähigkeit wächst die "Präsenz" der Tanzenden.

Präsenz gründet in der Wahrnehmungsfähigkeit des Körpers, der Gefühle, des Geistes, der Umgebung etc. Volle Präsenz gibt dem Tango Inhalt, Sinn, Lebendigkeit und Ausdrucksstärke. Präsenz  ist die Voraussetzung für flowstates.

 

Anders gesagt: nicht alles ist begründet in der "äusseren" Tanztechnik. Deshalb haben so manche Tänzer, trotz langjähriger Anstrengung und Üben von Tanztechnik, oft keinen zufrieden stellenden Erfolg. Hier fehlt meist das Eingebettet-Sein in den grösseren Flow, Sinnzusammenhang und das Verstehen der Wechselbeziehung mit entscheidenden anderen Faktoren.

Tango und die Gelassenheit des ruhigen Geistes

Ich helfe Euch auf diese Weise, im Tango die Fähigkeit des ruhigen Geistes zu entwickeln, der nicht auf alle Reize ungefiltert reagiert, sondern in sich selbst ruht. Das bringt wesentlich mehr Wahlmöglichkeiten ins Bewusstsein, schafft Gestaltungsoptionen, die Ihr vorher garnicht gesehen habt, hilft dabei, angemessen zu reagieren und nicht abzuschweifen. Ihr erschafft aktiv mit jeder Faser Eures Seins den Tanz von Moment zu Moment neu. Engagiert, inspiriert, entspannt, gelassen, innerlich erfüllt. 100% Einsatz, null Stress, viel Flow im Tangohimmel.

Tango und Erleuchtung? Ein Weg zu "Samadhi"

Ich möchte hier einen Aspekt ansprechen, der mir aus meiner eigenen Tanzerfahrung sehr vertraut ist. 

Allerdings ist Tango "Samadhi" eher die Ausnahme denn die Regel. Denn dafür müssen ein paar Aspekte zusammen kommen, die oft nicht gegeben sind.

 

Samadhi wird in der buddhistischen Meditation im allgemeinen verstanden als ein Zustand "unangestrengter stabiler Aufmerksamkeit" (John Yates), oder als ein Zustand vollster Konzentration (Shinzen Young).  Ein solcher Zustand der absoluten vollen fokussierten Konzentration führt zu einem besonderen Bewusstseins-Zustand.  In diesem Zustand wird das Alltags-Ich "vergessen". Man wird Teil eines größeren, des Nichts, des Raums.... und wer mag, kann sich (laut Shinhzen Young) schon einmal über den Tango der Erleuchtung annähern :-)

 

 

"Man sollte denken, dass Samadhi nur in einem spirituellem Kontext erscheint, aber das ist nicht der Fall. Man kann auch weltliche Samadhis erleben, die zwar nicht in einem spitrtuellem Paragidma erscheinen, trotzdem aber potentielle Wege zur Erleuchtung sind.  Dies passiert oft solchen Individuen, die durch ausübende Künste wie Tanz spontan einen Zustand von sehr hoher Konzentration erreichen. Über Monate und Jahre vertieft sich die Konzentration, und kann durch all die Stadien gehen, die von den Mystikern dieser Welt beschrieben werden. ....Unter denjenigen, die solche hohe Konzentration durch eine bestimmte säkulare Aktivität entwickeln, gehen einige über den  Zustand  der hohen Konzentration hinaus. Sie werden durch den Tanz nicht nur völlig fokussiert, sondern sie bekommen eine konkrete Idee ("a taste") eines formlosen Zustands von "no self / big self" während sie tanzen. Der Tanz, die Tanzenden und das Publikum verschwinden in einem reinen Tun des Raums. Der Tanz manifestiert sich kontinuierlich aus Samadhi - dem Ruhepunkt der sich drehenden Welt. Der Poet T.S. Eliot beschreibt dies wunderbar: "Except for the point, the still point. 

There would be no dance, and there is only the dance"." 

 

Shinzen Young, The Science of Enlightenment, p 64 , eigene Übersetzung

 

Hier ist die Herausforderung: um die Einheit als Paar  in diesem "weltlichen Samadhi" zu erreichen muss ich mich zunächst über vollste unabgelenkte Konzentration, dh. über eine Art von tiefer Hingabe, einbringen.  

 

Oft, doch nicht immer, ist es bis zur "Erleuchtung durch Tango" ein langer Erfahrungsweg, und nicht jeder will oder kann ihn gehen, auch wenn die die Sehnsucht danach in jedem von uns schlummert. Aber es ist ein schönes Versprechen, und auch kleine Schritte sind besondere Erlebnisse und Erfolge. 

Die gute Nachricht: für die Erfahrung von flowstates und Samadhi braucht es nicht unbedingt die Kenntnis vieler “Figuren“. Das Geheimnis liegt in etwas ganz anderem und ist daher auch für “nicht Virtuosen“ erreichbar.

 

Man könnte auch - tangobezogen abgewandelt - John Yates zitieren:  "Enlightenment is an accident. But tango practice makes one more accident-prone" (John Yates, The Mind Illuminated).  Dies ist im Englischen natürlich ein schönes Spiel mit dem Wort accident, das sowohl "Unfall" meint wie  "Zufall". 

 

Tango ist das Dritte, das entstehen kann, wenn zwei Menschen sich auf bestimmte Weise verbinden und miteinander tanzen. Keiner von beiden kann dieses Dritte alleine erschaffen. Es ist grösser als jeder von ihnen und auch grösser als das Paar. Beide wachsen gemeinsam über sich hinaus und ermöglichen Samadhi. Man kann es nicht also nicht “ machen“, nur Bedingungen dafür schaffen.

 

 

Im Sinne von “Der Zufall ( “Unfall“, Samadhi) ereilt nur den vorbereiteten Geist.“ Louis Pasteur

 

Ich schaffe mit Euch Voraussetzungen dafür.

FLOWSTATES statt Autopilot!

Der Begriff "Flow", "Flow State", oder "Flow Erleben"  ist bekannt geworden im Kontext von Höchstleistungen:  Sportler sind in einem Flow State, wenn alles ohne Anstrengung erscheint, die Wahrnehmung extrem präzise wird, etc.  Es ist sozusagen eine Form des Samadhi wie oben beschrieben Dieser Zustand sollte nicht mit Auto-Pilot verwechselt werden. 


Auto-Pilot 

Man hat vielleicht Schrittfolgen eingeübt, in denen man sich sicher fühlt, oder/und ist mit seinem Partner sehr vertraut und der/die Körper machen schon was sie sollen. Man hat das gefühlt es läuft wie geschmiert. Nur innerlich ist man unbemerkt gar nicht ganz dabei. Denn die Gedanken und die Wahrnehmung sind - möglicherweise genau deshalb - woanders. 

Das kennen wir alle. Je nach aktueller Lebenslage, Tangosituation, Partner und Gewohnheiten mehr oder weniger. 

Aber vielleicht ist dieser Zustand in Ermangelung anderer Erfahrungen alles, was ich für Tango halte. Weit gefehlt...

 

Flow State

In einem Flow State verschwindet das Gefühl der Anstrengung. Alles erscheint leicht. Die Wahrnehmung wird äußerst präzise, und das Gefühl für Zeit verschwindet. Man hat das Gefühl, dass alles von selbst passiert: es gibt kein planendes oder reagierendes "Ich" mehr.  Man muss nicht mehr "kontrollieren", trotzdem ist das Gefühl von Kontrolle da.  

Damit man in den obigen Zustand kommt, müssen nach Yates folgende Bedingungen wahr sein: 

 

1. Sie wird als Selbstzweck, nicht für einen anderen Zweck ausgeführt. ( z.b. Um des Tanzens selbst, nicht um jemanden zu beeindrucken)

 

2. Die Ziele der Tätigkeit sind klar, und sie vermittelt ein sofortiges Feedback. Das Wichtigste an diesem Feedback ist die darin enthaltene symbolische Botschaft: Ich habe es geschafft, mein Ziel zu erreichen.

 

3. Die Tätigkeit ist weder so schwierig, dass sie überanstrengt, noch ist sie zu leicht. Die Herausforderung der Aufgabe befindet sich in perfekter Balance mit den Fähigkeiten der Person.

 

4. Die Tätigkeit erfordert es, dass die Aufmerksamkeit ganz fokussiert ist; sie lässt nur eine sehr begrenzte Auswahl an Informationen im Gewahrsein zu und lässt dem Geist keinen Raum für anderes. Alle beunruhigenden oder irrelevanten Gedanken werden ferngehalten.


(nach Yates, Culadasa John. Handbuch Meditation (German Edition) (S.276). Arkana. Kindle-Version.)     


Als TangoCoach diene ich auch in diesem Kontext als Orientierung und verstehe es, Euch den Weg dorthin zu ebenen.

Ressourcen zu Mindfulness, Flow States, Samadhi

  • John Yates, "Handbuch Meditation" (enthält Referenzen zu Mihály Csíkszentmihályi, der den Begriff "Flow State" geprägt hat)
  • Shinzen Young, "Science of Enlightenment"